Die Dimension

Menschen, die sich nur wenige Male in ihrem Leben mit Diskriminierung beschäftigen, sehen die Diskriminierung nicht. Haben sie öfter damit zu tun, ändert sich das. Dann sehen sie die Struktur dahinter. (Gleichbehandlungsanwältin a.D. Nikolay-Leitner)

≠ Männer kommen in Meetings häufiger zu Wort.

≠ Es gibt keine Gehaltstransparenz.

≠ Die Führungsebene(n) besteht überwiegend aus Männern.

≠ Männer die in Elternkarenz gehen sind eine Ausnahmeerscheinung.

≠ Will ein Mann in Elternkarenz gehen, hat dies negative Auswirkungen auf seine innerbetriebliche Karriere.

≠ Die Projekte werden ungleich an Männer und Frauen verteilt. Männer erhalten idR die prestigeträchtigeren Projekte zugeteilt.

≠ Willensstarken Frauen werden diese (oder ähnliche) Eigenschaften zugeschrieben: *stutenbissig *schwierig *dominant *herrisch *arrogant *stur

≠ Willensstarken Männern werden diese (oder ähnliche) Eigenschaften zugeschrieben: *ehrgeizig *fleissig *genau *zielstrebig *charakterstark

≠ Es gibt Männerrunden unter den Kollegen, die sich anders benehmen, wenn weibliche Kolleginnen dazustoßen.

≠ Kommentare zu Äußerlichkeiten (insbesondere weiblicher Arbeitnehmerinnen) werden akzeptiert, denn sie werden häufig (positiv wie negativ) gemacht.

Auch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Randphänomen 

Auffallend häufiger Ort sexueller Belästigung von Frauen ist der Arbeitsplatz: durch Kollegen, Chefs oder aber auch Patienten/Kunden. (Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern, Wien 2011)

„Mit Anfang 20 wurde ich von meinem 50-jährigen Arbeitskollegen mehrfach sexuell belästigt, trotzdem ich es meinem Vorgesetzten erzählt hatte.”

„Musste bei einem Kollegen einen Schlüssel holen, dieser war in einer Lade, der Kollege hat die Lade vor mir aufgemacht und da lagen pornographische Hefte, die ich angreifen musste, um den Schlüssel zu erreichen. Ich wurde dabei vom Kollegen grinsend begutachtet.”

„Im Zuge eines Vorstellungsgespräches wurde ich zu sexuellen Handlungen aufgefordert.”

"Aber ich muss sagen, in meiner letzten Arbeitsstelle gab es einen Typen, der war im Unternehmen ein bisschen als der sexuelle Belästiger verschrien, tatsächlich. Ja, das ist eigentlich arg, oder? Alle reden darüber, aber es passiert halt nichts, weil er ein sehr guter Freund vom Chef ist. (…)"

"Es ist halt dann eine blöde Situation. Da hat man nicht sehr viel Handlungsspielraum, wenn man den Job behalten will."

"Wenn dir die Kundin über den Kopf streicht oder dich in die Wange kneift, kann man aber auch nichts sagen. Das wäre geschäftsschädigend und möglicherweise beschwert sich die Kundin dann über dich."

(Zitate aus: Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern, Wien 2011 sowie Junge Frauen und Männer als Betroffene von sexueller Belästigung in Ausbildung und Beruf, Wien 2016)

Durch die regelmäßige Berichterstattung über sexuelle Übergriffe und ausgeprägtem Sexismus in diesem Bereich, entsteht der Eindruck, die Problematik sexueller Belästigung und Sexismus am Arbeitsplatz sei auf die Künstlerbranche beschränkt. Dieser Anschein trügt. Sie betreffen den Frisörlehrling Katja, die Kellnerin Aisha und den Kfz-Lehrling Mirsad genauso, wie Meg Ryan und Ashley Judd. Der Unterschied: Sie gehen mit ihren Geschichten nicht an die Presse, häufig vertrauen sich Betroffene nicht einmal ihren Kolleginnen bzw Kollegen oder Vorgeesetzen an, denn es kann eine unmittelbare Existenzbedrohung darstellen, den Ausbildungsplatz oder den Job als geringqualifizierte Person zu verlieren.